Gasthausgeschichten

Noch heute steht der Name „Jägerstüble“ auf dem Gebäude in der Mettenberger Straße. Die Geschichte des Gasthauses reicht bis ins Jahr 1877 zurück. Neben dem Adler wurde damals für Mettenberg ein zweites Gasthaus genehmigt. Ein gewisser Wendelin Kopp wurde somit der erste Wirt an dieser Stelle. Mehrere Generationen folgten. 1964 übernahmen Kurt und Zenta Meyer das Jägerstüble. Die Ausschreibung dazu haben sie damals in einer Zeitung wahrgenommen und da ihre Zwei-Zimmer-Wohnung ihnen zu klein wurde, haben sie die Wirtschaft von der Brauerei Haberhäusle gepachtet. Obwohl damals beide noch sehr jung waren, sahen sie als Wirtsleute eine neue Herausforderung und wurden in Mettenberg willkommen geheißen. Zentas Ausbildung als Hauswirtschaftlerin hatte ihr sicherlich bei dieser großen Aufgabe geholfen. Kurts Ausbildung als Metzgereimeister sorgte auf jeden Fall für einen leckeren Wurstsalat und auch die ein oder andere Gulaschsuppe. Später kamen dann noch gebratene Hähnchen dazu, was zu der damaligen Zeit noch ziemlich neu war. Mit dem Jägerstüble übernahmen die beiden allerdings nicht nur eine Wirtschaft, sondern auch die Post in Mettenberg, denn die war damals mit in der Gaststube untergebracht. Neben der Versorgung der Wirtschaft und der drei Kindern, fuhr Kurt also noch die Briefe aus, während Zenta die Briefe und Pakete im Jägerstüble annahm. Die Post behielten sie übrigens auch noch, als sie die Wirtschaft nach 14 Jahren wieder aufgaben. Die Annahmestelle für Pakete und Briefe war dann in ihrer Wohnung. Beide kommen heute noch ins Schwäremn, wenn sie von den großartigen Abenden im Jägerstüble erzählen. Gaststuben spielten zur damaligen Zeit eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Neben der „Nachrichtenzentrale“ wurden früher auch Geldgeschäfte hier erledigt. So bekamen beispielsweise die Waldarbeiter von ihrem Förster in der Gaststube ihr Salär ausgezahlt. Alle vier Wochen gab es auch im Jägerstüble die Lohntüten. Wie sich jeder denken konnte, wurde die Auszahlung dann auch direkt vor Ort mit dem ein oder anderen Bier gefeiert. Einprägend für Zenta war auch ein Abend, als Eltern nach einem Elternabend die beiden noch nachts aus dem Bette klingelten. Die Damen und Herren hatten trotz vorgerückter Stunde Lust auf einen leckeren Zwiebelkuchen. Da keiner vorrätig war, standen kurze Zeit später Zenta zusammen mit den Hungrigen in der Küche und gemeinsam wurden Zwiebeln geschnitten und Teig geknetet. Wohlriechend und schmecken wurde er anschließend genussvoll verzehrt.

Heutzutage wird das Jägerstüble als reines Wohnhaus genutzt.

Text: Fränze Rohe, seit 5 Jahren wohnhaft in Mettenberg und Nachbarin von Kurt und Zenta Meyer, den ehemaligen Wirtsleuten des Jägerstübles.