Josef Probst

Modernes Gemälde von Josef Probst. Der aus Mettenberg stammende Künstler Hermann Weber möchte mit diesem Gemälde auf die Bewahrung der Schöpfung hinweisen, die Probst sehr am Herzen lag. Derzeit kann man das Bild in der Bienenausstellung des Biberach Museum bewundern.

Pfarrer, Geologe, Paläontologe, Kunstsammler, Museumsstifter, Ehrenbürger, Gönner Mettenbergs und Bewahrer der Schöpfung – Doktor h.c. Josef Probst

Man könnte diese Aufzählung noch um einige Bezeichnungen erweitern. Als am 6. Mai 1858 Josef Probst seine Pfarrstelle in Mettenberg antrat, war dies wahrlich ein Segen für die Gemeinde und für St. Alban.

Probst wurde 1823 in Ehingen geboren und studierte in Tübingen Theologie. Bereits in jungen Jahren begeisterte er sich ebenso für naturwissenschaftliche Phänomene und gilt heutzutage als Pionier der Geologie- und Paläontologie-Forschung von Oberschwaben.

Doch der Reihe nach. Als Pfarrer Probst seine neue Arbeitsstätte, St. Alban, in Augenschein nahm, fand er wenig positive Worte für die stark vernachlässigte Kirche. Der Rokoko Altar, der damals in der Mettenberger Kirche stand, war nicht mehr zu retten und so entschloss sich Probst durch Spenden und Teile seiner eigenen kunsthistorischen Sammlung die Ausgestaltung St. Albans im gotischen bzw. neogotischen Stil zu gestalten. Besonders bemerkenswert ist die Figur des heiligen Alban ganz oben im Hochaltar. Da es nirgends in St. Alban eine Abbildung des Schutzpatrons gab, beauftragte der Gotik-begeisterte Probst einen Kunstschnitzer aus Dietenheim eine Figur für den Hochaltar herzustellen. Meist wurde der Heilige allerdings mit dem abgeschlagenen Haupt in seinen Händen dargestellt. Der Dorfgeistliche fand diese Darstellung jedoch zu „grell“, weshalb er den Schutzpatron mit Schwert und Märtyrerpalme in der Hand und mit dem Kopf auf dem Hals schnitzen lies.

Im Laufe seines Lebens konnte Probst mehr als 300 historische Kunstwerke, Plastiken, Gemälde, Stiche und Holzschnitte retten. „Das große Verdienst von Pfarrer Probst ist, dass er alle diese Werke in der Gegend ihrer Entstehung belassen und sie vielfach wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung in den Pfarrkirchen zugeführt hat.“ (ERATH, 1977,S. 170)

Dirket gegenüber des berühmten Politikers Matthias Erzberger fand auch Josef Probst seine letzte Ruhestätte.

Über zehn Jahre wirkte Probst in Mettenberg und blieb „seiner“ Gemeinde stets verbunden. 1886 wurde Pfarrer Probst ins Mettenberger „Ehren-Bürgerrecht“ aufgenommen.

Zeitlebens unternahm Pfarrer Probst Exkursionen durch Oberschwaben. Dabei machte er zahlreichen Entdeckungen über die erdgeschichtliche Vergangenheit unserer Heimat. Über 60.000 versteinerte Haifischzähne, die heute v.a. im Biberacher Museum liegen, sammelte er auf seinen Wanderungen bei Warthausen, Ingerkingen und vor allem in Baltringen. Dort kann man sich heutzutage auf dem geologische „Wattwanderweg“ wie einst Pfarrer Probst durch die geologischen Zeitalter bewegen. Neben seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen muss aber auch erwähnt werden, dass es im 19. Jahrhundert nicht gerade üblich war, dass ein Geistlicher in der Erde „herum buddelte“. So wurde er von vorbeikommen Passanten immer mal wieder als „Verrückter“ oder Landstreicher mitleidig beäugt und einmal sogar als preußischer Spion verdächtigt. Probst nahm es stets mit Humor und Gelassenheit.

Der „Probststein“, Denkmal auf dem Biberacher Lindele. Errichtet vom Württembergischen Geologenverein.

1877 erhielt er in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Wissenschaft die Ehrendoktorwürde der naturwissenschaftlichen Fakultät in Tübingen. Im Jahre 1898 zog er im Alter von 75 Jahren nach Biberach. Seine umfangreiche naturwissenschaftliche und kunstgeschichtliche Sammlung und Bibliothek stiftete er der Stadt Biberach, was die Basis des 1902 gegründeten Braith-Mali-Museum darstellte. 1899 erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt. Josef Probst verstarb am 9. 3. 1905 und liegt auf dem katholischen Friedhof Biberachs begraben.

Noch heute erinnern der Josef- Probst-Weg sowie ein Gedenkstein am Kircheneingang an Dr. h.c. Josef Probst.

Quellen: DOMDEY, Falko: Who is Who – Bemerkenswerte Biberacher aus 10 Jahrhunderten (2016). Biberacher Verlagsdruckerei