Relikte der Eiszeit

Wer sich schon einmal mit Klimageschichte und Eiszeiten auseinandergesetzt hat, weiß, dass es eine sogenannte Riß-Eiszeit gab. Diese Kaltzeit dauerte von etwa 300.000 bis 130.000 Jahre vor heute. Namensgebend ist der Fluss Riß, der durch Biberach fließt und an dessen Talrändern eiszeitliche Ablagerungen exemplarisch erhalten und nachweisbar sind. Riesige Gletschermassen schoben sich damals u.a. aus dem Alpenraum bis nach Oberschwaben. Während in der letzten Eiszeit (Würm-Eiszeit), die vor etwa 12.000 Jahren endete, die Gletschergrenze bei Bad Schussenried lag, hatten die Gletscher der Riß-Eiszeit eine größere Ausdehnung. Während der Hochphase dieser Kaltzeit befand sich die Eisgrenze nördlich von Mettenberg.

Fährt oder läuft man von Mettenberg nach Oberhöfen bemerkt man einen Anstieg, der auf halber Strecke etwa seinen höchsten Punkt erreicht. Hierbei handelt es sich um eine ehemalige Gletschermoräne, also dem transportierten Material (Sedimente), das ein Gletscher bei seinem Wachstum vor und unter sich mitbewegt oder aufgehäuft hat. Ebenfalls auf dieser Anhöhe, gleich neben dem Telefonmasten (siehe Bild), fällt eine kleine Baumgruppe auf. Beim Spaziergang zur selbigen, fällt auf, dass die Bäume und Sträucher aus einem Loch wachsen. Hierbei handelt es sich um einen sogenannten Toteiskessel oder ein Toteisloch. Ein abgebrochenes Gletschereisstück wurde hier verschüttet bzw. bei einem der zahlreichen Vorstöße des Gletschers mit Moränenmaterial zugedeckt. Als es wieder wärmer wurde und der Gletscher sich bereits zurückgezogen hatte, schmolz dieses verschüttete Eisstück langsam ab. Es entsandt ein Hohlraum bzw. durch das nachrutschende Sediment ein trichterförmiges Loch. Wer aufmerksam durch die Landschaft läuft, wird zahlreiche dieser Löcher in Oberschwaben finden. Früher wurden diese Löcher oft zugeschüttet oder als Müllhalde verwendet, was heute selbstverständlich nicht mehr passiert.

Neben den guten Ackerböden, die zum Teil ebenfalls aus den Moränenablagerungen entstanden sind, hat sich im Mettenberg Untergrund auch eine Lehmschicht ausgebildet. So verwundert es nicht, dass es in unserem Dorf früher mehrere Abbaustellen für diesen Baustoff gab. Noch heute erinnert die Straße „Im Lehmgrüble“ an diese Zeit.

Und noch mehr haben uns die Gletscher hinterlassen: Findlinge! Steine, die während der Eiszeiten durch die Gletscher aus dem Alpenraum bis nach Oberschwaben transportiert und abgelegt wurde. Einer der größten Findlinge aus der Würm-Eiszeit befindet sich nahe der Schussen-Quelle bei Bad Schussenried. Aber auch in Mettenberg gibt es solche, wenn auch kleinere Relikte der Riß-Eiszeit. Bei den Bauarbeiten der Ortsdurchfahrt wurde solch ein Findling gefunden, der, nach Fertigstellung der Baumaßnahmen, vor der Ortsverwaltung einen neuen Platz finden wird.

Toteisloch